Vision Bahnhof –
sicher einsteigen in die Zukunft

Augsburg bereitet sich derzeit auf den zunehmenden Bedarf der Menschen nach Mobilität vor: intelligent und vernetzt, umweltfreundlich und barrierefrei. In diesem Sinne waren es drei Gründe, die auch die Neugestaltung des Hauptbahnhofs unumgänglich machen: Lange Wege zwischen dem städtischen Verkehrsnetz mit Straßenbahnen und Bussen und dem Bahnverkehr, die Einführung eines S-Bahn- ähnlichen Verkehrs in der Region und die Pläne der Deutschen Bahn AG, den Hauptbahnhof entsprechend seiner Bedeutung zeitgemäß und barrierefrei auszubauen. Neben modernem Komfort und Sicherheit für die Reisenden soll damit auch die Zukunftsfähigkeit des Bahnhofs als wichtigstem Verkehrsknotenpunkt in Schwaben gesichert werden. München und Nürnberg verfügen über ein U-Bahn- und S-Bahnnetz, das schnelle Verbindungen im Umland garantiert. Augsburg kann mit dem Regio-Schienentakt und mit dem Ausbau des Hauptbahnhofs nun einen vergleichbaren Status erreichen.

Durch eine neue Straßenbahnhaltestelle direkt unter den Fern- und Regionalbahnsteigen wird eine optimale Verknüpfung des städtischen ÖPNV mit dem überörtlichen Schienenverkehr geschaffen. Ein breiter Fußweg flankiert die geplante Straßenbahnunterführung, so dass ein direkter Zugang zum Hauptbahnhof aus Richtung Westen entsteht. 

Mit dem Umbau rücken im direkten Bahnhofsumfeld auch städtebauliche Aspekte in den Blick. Der bestehende Bahnhofsvorplatz wird im Zuge des Bahnhofsumbaus neu geordnet und gestalterisch aufgewertet. Insbesondere soll die wichtige Fußgängerverbindung vom Bahnhofsgebäude über den Vorplatz und die Bahnhofstraße in die Innenstadt verbessert werden. 

Am neu geplanten Westzugang von der Rosenaustraße, dem so genannte Portal West auf Höhe des Sebastian-Buchegger-Platzes, sollen attraktive Anschlussmöglichkeiten an alle weiteren Verkehrsmittel (Bahnhofsvorfahrt, Kiss and Ride, Taxi, Fahrradparkhaus, etc.) entstehen. 

Für die Gestaltung der beiden Plätze wurde ein Architektenwettbewerb durchgeführt.

»Das wird ein Hauptbahnhof, auf den wir uns alle freuen können.«

Die Arbeiten für den Straßenbahntunnel und die Haltestelle unter dem Hauptbahnhof kommen sichtbar voran. Der Baubereich Ost mit Rampe in der Halderstraße und Tunnelabschnitt unter dem Vorplatz wurde im geplanten Zeit und Kostenrahmen fertiggestellt. Trotzdem führen neue Erkenntnisse zu einer Inbetriebnahme im Jahr 2022 und Investitionskosten von 143.5 Mio € (Interview von November 2014)
Interview mit Dr. Walter Casazza, Geschäftsführer der swa
Dr. Walter Casazza, Geschäftsführer der swa

Herr Dr. Casazza, der Umbau des Hauptbahnnhofs ist in vollem Gang. Wie ist es für Sie, ein laufendes Großprojekt zu überrnehmen?

Seit fast einem Jahr bin ich in Augsburg und habe mich des Projekts voll angenommen. Es ist sehr schnell zu »meinem Projekt« geworden. Im Sommer wurde der Antrag auf ein Bürgerbegehren als unzulässig abgelehnt, zunächst im Stadtrat und dann bestätigend vom Bayerischen Verwaltungsgericht Augsburg. Durch meinen vorherigen Posten in Karlsruhe bringe ich Erfahrungen mit einem Großprojekt mit und kann diese in die Planung und Qualitätssicherung beim Umbau des Hauptbahnhofs einfließen lassen.

Jetzt gibt es neue Erkenntnisse für den Hauptbahnhof. Was hat sich verändert?

Der Umbau ist sehr viel komplexer geworden als noch vor einigen Jahren geplant. Wir bauen »unter rollendem Rad« der DB einen Straßenbahntunnel samt Haltestelle unter den Bahnsteigen, um für die Fahrgäste ein optimales Umsteigen zwischen Zug und Tram zu ermöglichen. Nun ist es so, dass die Planungen für das Tunnelbauwerk bei Planungsfortschritt und -qualität noch keinen ausreichenden Stand hatten. Der Umbau umfasst mittlerweile zudem viele weitere Projekte der DB.

Ganz wichtig ist dabei der zusätzliche Bahnsteig F, der für den Regio-Schienen-Takt gebaut wird, zugleich aber auch eine Vor aussetzung für unseren Tunnelbau ist. Weil die DB hierfür noch kein Baurecht hat, verzögert sich die Fertigstellung um voraussichtlich zwei Jahre. Hinzugekommen ist, dass die Oberleitungsanlage im Bahnhof erneuert werden muss. Darüber hinaus wird die DB noch weitere Arbeiten miterledigen und zusätzlich rund 106 Mio. € in den Bahnhof investieren. Das führt in Summe zu einer späteren Inbetriebnahme des Tunnels, aber auch zu einem insgesamt moderneren Hauptbahnhof.

Wie setzen sich die Kosten zusammen?

Eine längere Bauzeit bedeutet auch Mehrkosten, schon allein durch die allgemeinen Baupreissteigerungen. Inzwischen haben sich aber auch die technischen Vorschriften verschärft, was zu höheren Kosten führt. 143.5 Mio € sind die tatsächlichen Investitionskosten, also für Bau und Planung, die üblicherweise dargestellt werden und für die Förderung relevant sind. Zusätzlich planen wir 5 Mio € als Puffer für Unvorhergesehenes sowie die allgemeine Baupreissteigerung von bis zu 3 Prozent jährlich mit ein.
Es gibt aber noch Nebenkosten, die üblicherweise nicht zu den Investitionskosten gezählt werden. Das ist die Instandhaltungs- und Erneuerungspauschale von ca. 12 Mio €, die swa und Stadt einmalig an die DB zahlen. Damit gehen der komplette Unterhalt und die spätere Erneuerung des Tunnelbauwerks und der Rolltreppen zu den Bahnsteigen dauerhaft auf die DB über. Dadurch ersparen wir uns in Zukunft Ausgaben. Weiterhin werden im Laufe des Projekts 21 Mio € Bauherrenkosten für swa und Stadt entstehen. Diese beinhalten z. B. Personalkosten, Ausschreibungen, Projektsteuerung und Ähnliches.
Die öffentliche Förderung läuft 2019 aus. (» mehr hierzu)

Wie schätzen Sie die Chancen für eine Anschlussfinanzierung ein?

Alles spricht dafür. Wir haben bereits auf höchsten politischen Ebenen positive Signale er hal ten. Wir sehen keine Gefahr, dass die Förderung wegfällt. Falls doch, haben wir die dann zusätzlich von uns zu finanzierenden 11 bis 12 Mio € bereits in unsere Überlegungen miteinbezogen und wissen: Die swa können das gut verkraften.

Was wird alle Augsburger, Besuchher und Touristen in Zukunft erwarten?

Der Bahnhof wird sich deutlich verändern. Wir bekommen einen Hauptbahnhof, der mehr kann als nur die Verkehrsfunktion erfüllen. Augsburg und das Umland sind eine Wachstumsregion. Der Hauptbahnhof wird als zentraler Verknüpfungspunkt Stadt und Land verschmelzen. Der Regio-Schienen-Takt ist dabei ganz wichtig. Durch die Direktanknüpfung wird der Austausch intensiver. Das Einzugsgebiet für die Fachkräfte wird größer und die Region attraktiver für Unternehmen. Das stärkt die heimische Wirtschaft. Auch in Hinsicht auf eine nachhaltige Stadtentwicklung spielt der Hauptbahnhof eine zentrale Rolle. Er ist das Tor zur Stadt und heißt Besucher und Pendler willkommen. Darauf können wir uns alle freuen.

Der neue Hauptbahnhof

Wartebereich in der Tramhaltestelle (E -2)
Wartebereich in der Tramhaltestelle (E -2)
Die Tramhaltestelle (E -2)
Die Tramhaltestelle (E -2)
Die Tramhaltestelle (E -2)
Die Tramhaltestelle (E -2)
Die Tramhaltestelle (E -2)
Die Tramhaltestelle (E -2)
Die Verteilerebene (E -1)

Die großen Vorteile des Hauptbahnhofs

Barrierefrei in die Zukunft auf drei Ebenen

Künftig wird sich Mobilität am Hauptbahnhof auf drei Ebenen abspielen: Oben an den Bahnsteigen der Deutschen Bahn, unten im Bereich der neuen swa Straßenbahnhaltestelle sowie in der Verteilerebene dazwischen, welche die beiden Schienensysteme barrierefrei über Aufzüge und Fahrtreppen miteinander verbindet. So ist die Mobilität der Zukunft allen zugänglich, egal ob jung oder alt, mit Kinderwagen, Gehhilfe, Rollstuhl oder sehbehindert.

Direkte Verknüpfung von Tram und Zug

Am neuen Hauptbahnhof werden die Straßenbahnenlinien 3, 5 und 6 barrierefrei und direkt mit dem Zugverkehr verknüpft. Der nur eine Haltestelle entfernte Königsplatz stellt den Anschluss zu allen weiteren Straßenbahnlinien und wichtigen Buslinien her. Kurze Wege und eine direkte Verknüpfung von Tram und Zug, egal woher man kommt und wohin man will.

Fließende Mobilität für ganz Schwaben:
Regio-Schienen-Takt

Der Regio-Schienen-Takt ist die dichte Taktung von Regionalzügen. Am Hauptbahnhof und an den Regionalbahnhöfen im Stadtgebiet sind Straßenbahnen und Regionalzüge ideal miteinander verknüpft. Das bedeutet: schnelle Wege und kurze Wartezeiten bei allen öffentlichen Verkehrsmitteln zu fast allen Zielen zwischen Stadt und Umland.

Erleichterung beim überregionalen Reisen: der neue Bahnsteig F

Zukünftig wird am Augsburger Hauptbahnhof der neue Bahnsteig F als westlichster Bahnsteig das Umsteigen aus und in alle Richtungen enorm erleichtern. Ab dann wird ein Großteil des Regionalverkehrs an diesem Bahnsteig abgewickelt. Ein enormer Komfort nicht nur für Fahrgäste aus dem Umland.

Neuer Zugang vom Westen

Das »Portal West«, der westliche Tunneleingang, entsteht am Rande des Thelottviertels. Damit bekommen die Stadtteile westlich des Bahnhofs erstmals seit Jahrzehnten wieder eine direkte Fußwegverbindung zum Bahnhof, zum Straßenbahnnetz und auch in die Innenstadt. Zentrales Element der Fußgängerverbindung ist ein Lichthof, der Helligkeit bringt und Sicherheit vermittelt. Für Fußgänger wird die direkte Verbindung zur komfortablen Abkürzung – in beide Richtungen. Eine wesentliche Verbesserung der Augsburger Infrastruktur, von der alle profitieren.

Von Augsburg aus schnell durch Europa: die Magistrale

Als geografischer Mittelpunkt zwischen Paris und Budapest kann Augsburg eine wichtige Funktion auf der so genannten West-Ost-Magistrale spielen. Die Stadt hat die Chance, Teil dieser Hochgeschwindigkeits-Bahnstrecke – national wie international – zu werden. Eine umweltfreundliche Alternative zu vielen Kurzflügen und zugleich Motor für die Wirtschaft in der Region.