»Die Innenstadt wird mehr Wohnzimmer als Garage sein.«

Gerd Merkle, Baureferent der Stadt Augsburg

Die Stadtplanung zugunsten der reinen Automobilität ist Vergangenheit, stattdessen steht der Mensch wieder mehr im Mittelpunkt. Moderne Innenstädte sind Orte für Identität, Kultur und Stadterleben. Menschen benötigen die Vielfalt an Kunst, Kultur und Erlebnissen, um sich in einer Stadt dauerhaft wohlzufühlen. Der Stadtkern wird dabei zum lebendigen Erlebnisraum der Stadt.  Durch projekt augsburg city erfährt die Innenstadt eine enorme Aufwertung für alle.

Jeder kann sich hier komfortabel bewegen und die Plätze werden zu Plätzen, auf denen man sich gerne aufhält. Die Innenstadt wird zu mehr als einem Einkaufsort, sie wird zum Erlebnis. Autofahrer bleiben übrigens willkommen, wie Gerd Merkle, Baureferent der Stadt Augsburg, im Interview bestätigt.

Herr Merkle, ein großes Ziel ist: weniger Autos in der Innenstadt. Bleibt Augsburg trotzdem gut erreichbar?
Aber ja, ich habe gute Nachrichten für Autofahrer. So manches Ziel in der Innenstadt wird in Zukunft noch besser erreichbar sein. Nämlich genau für die Autofahrer, die wirklich in die City wollen. Dazu verkürzen wir nach Möglichkeit komplizierte und zu lange Wege. Und wir verbessern die Straßenführung

zu einigen Parkhäusern. Unser Ziel ist aber auch, unerwünschten Schleich- und Durchgangsverkehr mit einem komfortablen Tangentensystem um die Innenstadt herumzuleiten. Denn dieser Verkehr verstopft unnötig unsere Innenstadt und belastet durch Schadstoffe und Lärm die Lebensqualität im Herzen der Stadt.

Wie wirkt die künftige Verkehrsführung?
Wir werden einen absolut positiven Effekt spüren. Verschiedene Mechanismen greifen ineinander. Zum einen reduziert sich der Verkehr durch die Umfahrungen. Zum anderen kommt ein gewaltiger Umbruch im Mobilitätskonsum auf uns zu. Steigende Kosten für das Auto und ein starkes Umweltbewusstsein beschleunigen die Suche nach alternativen Formen der Fortbewegung. Die gesellschaftliche Bedeutung des Autos wird weiter sinken. Für immer mehr Menschen wird es vernünftiger, Autos je nach Situation zu nutzen, anstatt eines zu besitzen. Die modernen Innenstädte von morgen sind viel mehr Wohnzimmer für uns Menschen als eine Garage für Autos. So kann unsere kulturhistorisch wertvolle und einzigartige Innenstadt wirken und zum vielfältigen und liebenswerten Erlebnisraum aufblühen.

Was bedeutet das für das »Augsburg der Zukunft«?
Moderne Mobilität in Innenstädten muss die Chance nutzen, leise, sauber und klimafreundlich zu werden. Gefragt sind also neue Lösungen in der Nahmobilität. Zum Beispiel durch attraktive Fuß- und Radwege und zuverlässige öffentliche Verkehrssysteme. Wir haben eine klare Verantwortung: Wir wollen unsere Stadt durch moderne Mobilität, gute Erreichbarkeit und neue Anziehungspunkte in der Innenstadt attraktiver und dadurch wettbewerbsfähiger machen.

Belebung durch Qualität

8. April 2011  ///  In den letzten Jahren gab es mehrere städtebauliche Wettbewerbe zur Steigerung der Attraktivität der Innenstadt. Jetzt wird die Umsetzung der Pläne konkret: Mit der Sanierung der Fußgängerzone kann je nach Finanzsituation bald begonnen werden. Auch die städtebauliche Aufwertung der Maximilianstraße soll noch in diesem Jahr starten.

Ziel ist eine moderne und attraktive, anspruchsvolle Innenstadtgestaltung mit mehr Grün, komfortablem und sicherem Bodenbelag, mehr Ruhezonen und Toiletten. Es geht darum, den Handel und Wandel in der Augsburger City zu beleben – aber mit Qualität. Die neuen Planungen werden für ein urbanes Lebensgefühl auf hohem Niveau sorgen, das Besucher und Bewohner der Innenstadt gleichermaßen anspricht.

Neue Fußgängerzone Mehr Fußgängerzone dank Kö-Umbau
Annastraße Bereich Annastraße/Steingasse/Phillippine-Welser-Straße
Maximilianstraße Großzügig gestalten, schöner flanieren
Elias-Holl-Platz Neu belebter Platz in der Altstadt