Bahnhofstunnel verzögert sich erneut

Eröffnung voraussichtlich erst im Jahr 2023

4. Oktober 2016

Während die Arbeiten  für den Straßenbahntunnel unter dem Hauptbahnhof im Bereich des Vorplatzes und der Gütergleise planmäßig laufen, gerät der Mittelteil des Tunnels ins Stocken. Deshalb wird sich die Inbetriebnahme voraussichtlich um ein weiteres Jahr bis 2023 verzögern.

Probleme bei Ausschreibung

Derzeit nehmen die Projektpartner Deutsche Bahn (DB), Stadtwerke Augsburg (swa) und Stadt Augsburg den Hauptbahnhof mit dem Tunnelbau von Osten und Westen quasi in die Zange. Im Mittelteil, im Bereich der Personenbahnsteige, gibt es jedoch Probleme mit der Ausschreibung für den Bauauftrag. In diesem sogenannten Stationsbauwerk wird unter den Bahnsteigen die Verteilerebene entstehen und darunter die Straßenbahnhaltestelle. Alle Ebenen werden mit Aufzügen und Rolltreppen verbunden. Doch bevor die Arbeiten unter den Bahnsteigen beginnen können, muss der neue zusätzliche Bahnsteig F im Anschluss an die bestehenden sechs Bahnsteige A bis E. Weil während der Bauphase immer ein Bahnsteig stillgelegt werden muss, können die Züge dann auf diesen zusätzlichen Bahnsteig ausweichen. Danach wird der Bahnsteig F für die Abwicklung des Regio-Schienen-Taktes benötigt.

Entscheidung der Projektpartner für Neuausschreibung

Beide Projekte - Stationsbauwerk mit Straßenbahnhaltestelle und Bahnsteig F - sind in einem gemeinsamen Verfahren ausgeschrieben worden. Nachdem ein Bieter wegen formaler Fehler ausgeschlossen worden war, kündigte dieser an, dagegen rechtlich durch alle Instanzen vorzugehen. „Dies hätte unkalkulierbare zeitliche und finanzielle Folgen für das gesamte Projekt bedeutet“, sagt swa-Geschäftsführer Dr. Walter Casazza. Die Partner DB, swa und Stadt Augsburg haben sich deshalb darauf geeinigt, diese Ausschreibung wegen unkalkulierbarer Risiken aufzuheben. „Dadurch wird ein erheblicher zeitlicher und finanzieller Schaden abgewendet, den ein jahrelanger gestörter Bauablauf und der damit in Verbindung stehende Rechtsstreit zur Folge gehabt hätten“, begründet Casazza. Jetzt ist geplant, die Bauleistungen für den Bahnsteig F mit dem darunter liegenden Tunnel sowie das Stationsbauwerk im Bereich der Bahnsteige A bis E getrennt auszuschreiben. Alle notwendigen Planänderungen und die neuen Ausschreibungen werden durch die Projektpartner mit Nachdruck vorangetrieben.

Kalkulierter Kostenrahmen wird eingehalten

Dennoch: Die für Dezember 2017 geplante Fertigstellung und Inbetriebnahme des Bahnsteigs F wird sich dadurch voraussichtlich um ein Jahr verzögern. Ob und welche Auswirkungen das auf den Zeitplan des Gesamtprojekts mit der Straßenbahnhaltestelle unter dem Hauptbahnhof haben wird, wird untersucht. „Eine vollständige Kompensation der Zeitverzögerung ist jedoch unwahrscheinlich“, so Casazza. Die Eröffnung kann demnach erst 2023 stattfinden. Der kalkulierte Kostenrahmen von 143,5 Millionen Euro, zuzüglich fünf Millionen Euro Risikopuffer und drei Prozent jährlicher allgemeiner Baupreissteigerung, kann dennoch eingehalten werden.