»Uns fehlen die Kreativen, Schwung und Ideen der jungen Leute.«

(Interview Monika Harrer-Jalsovec) Ingrid Weber organisiert im Annahof Belegung und Parkhaus, Michael Hingerl ist Geschäftsführer der annaEVENT GmbH, zu der auch das anna:restaurant gehört. Beide schätzen an Augsburg das Flair einer Großstadt und dabei den anheimelnden Charme eines überschaubaren wunderbaren Fleckchens Erde.

Hat Augsburg denn überhaupt Potenzial, das man in Zukunft entwickeln kann?
Hingerl · Wir sind gerade an einem Startpunkt. Im Baulichen manifestiert sich für mich eine neue Grundhaltung. Der Entwicklungsprozess der Stadt wird erstmals richtig sichtbar. Es bietet sich Raum für viele Möglichkeiten. Die Stadt kann sich selbst neu erfinden und dann wie Phönix aus der Asche steigen. Einkaufen in der Innenstadt zum Beispiel wird vom reinen Zweckeinkauf immer mehr zu einem Freizeitact werden. Da kommt auch auf die Hausbesitzer große Verantwortung zu, ihre Läden entsprechend zu vermieten.

Weber · Zukunft bedeutet Veränderung. Das finde ich nicht schlecht. Aber Augsburg ist auch viel Historie. Auch damit kann man punkten. Da sehe ich uns im Annahof mit seiner reichen Geschichte und den vielen Besuchern aus ganz Deutschland und auch aus der ganzen Welt als Multiplikatoren. 

Hingerl · Das stimmt. Augsburg verbindet auf tolle Art Geschichte und Gegenwart. Diese Balance ist das, was die Stadt ausmacht. Die Moderne ist allerdings noch ausbaubar. Uns fehlen die Kreativen. Hier im Annahof bekommen wir das ganz gut mit, da wir oft Tagungsort für sie sind. Das ist aber ein relativ begrenzter Personenkreis. Zu wenig für eine gänzliche Stimmungsänderung.

Wo sehen Sie da die Aufgabe der Stadt?
Weber ·
Augsburg ist doch Universitätsstadt – das kommt viel zu wenig rüber. Das vermisse ich: Junge Leute, die neuen Schwung und kreative Ideen in die Stadt bringen, Wissen und Können haben. Das Studentenleben merke ich in der Stadt nicht. Man sollte sich überlegen: Wie mache ich die Innenstadt für junge Leute attraktiv? Das könnte durch ein Open Air Konzert, besondere Kulturangebote oder andere Events geschehen. Die Stadt sollte eine Jugendbeteiligungskultur aufbauen. Das Bedürfnis ist da. Junge Menschen wollen sich treffen, nicht nur virtuell vernetzen.

Hingerl · Als Wirt wünsche ich mir zudem mehr unternehmerische Freiheit, weniger Regulierung. Urbanes Leben muss bunt sein dürfen: Jede Gruppierung findet ihre Nische. Das macht doch die Attraktivität einer Stadt erst aus.

Zukunft in Augsburg: Auf was freuen Sie sich denn persönlich?
Weber · Für mich heißt das auch weg vom klein, klein, eng, eng – weniger Provinzialität. Ich freue mich auf eine ganz neue Wahrnehmung der Stadt, wenn der Umbau von projekt augsburg city erst einmal fertig ist. Wichtig finde ich aber auch den Ausbau der Mobilität: Jeder sollte barrierefrei vom Bahnhof in die Innenstadt kommen. Und in die Stadt mit dem Verkehrsmittel, das für ihn am Besten ist – mit dem Auto, dem ÖPNV oder mit dem Rad.

Hingerl · Ich freu mich erst einmal auf jeden neuen Bauabschnitt: Die erste neue Pflasterfläche in der Annastraße betreten, das erste Mal über den neuen Kö laufen...