(Interview Monika Harrer-Jalsovec) Franz Ottillinger führt die seit 1842 bestehende Hofmetzgerei Ottillinger mit Sitz in Pöttmes in vierter Generation seit 1979. Auch in Augsburg betreibt die Familie mehrere Filialen. Franz Ottillinger schätzt an Augsburg vor allem die Nähe der aufgeschlossenen Leute und die schöne Altstadt mit dem besonderen Flair.

Herr Ottillinger: Augsburg entwickelt sich derzeit durch projekt augsburg city sehr dynamisch. Auf was freuen Sie sich? 

Ich freue mich vor allem auf Augsburg als Erlebnisstadt. Das heißt für mich aber auch, in die Innenstadt müssen noch mehr Fachgeschäfte, die das Ganze beleben. Handwerksbetriebe könnten zu einem einzigartigen Profil der Einkaufs-Innenstadt einen wesentlichen Beitrag leisten. Jeder weiß: Beim Bummeln ist eine Mischung aus kleinen, feinen Läden einfach interessanter als nur die großen Ketten. Mir hat das schon als Jugendlicher gefallen: Von meinem Heimatort Pöttmes (Landkreis Aichach-Friedberg) sind wir immer wieder einmal zum Einkaufen einen halben Tag in die Stadt gefahren. Das war mein Tag, ein richtiges Erlebnis. Und das sollte es auch in Zukunft weiterhin sein – auch abends.

Sind lange Öffnungszeiten, wie sie in der Innenstadt gefordert sind, denn nicht eine Herausforderung für Handwerksbetriebe?

Das stimmt. Vor allem kleinere Familienbetriebe tun sich schwer, da mitzuhalten. Der Konkurrenz der Supermärkte auf der grünen Wiese ist schwer entgegenzutreten und die Ortskerne bluten aus. Als Handwerksbetrieb muss man auf hochwertige Qualität setzen. projekt augsburg city zeigt in seiner hochwertigen Ausführung, dass dabei ebenfalls Wert auf Qualität gelegt wird. Das lässt hoffen, dass die Lebensqualität in der Stadt steigen wird.

Inwiefern?
In der Balance mit einer immer schneller und anstrengender werdenden Welt sind Genuss und Lebensfreude wichtige Gegenpole. Das ist meine persönliche Überzeugung und Firmen-Philosophie: Reinheit und Frische der Produkte werden zukünftig ausschlaggebend sein. Die Leute wollen wieder wissen, was sie auf dem Teller haben. Dafür fangen wir jeden Tag um zwei Uhr nachts das Arbeiten an.

Wie sieht Ihre Zukunftsvision von Augsburg aus?
Tatsache ist: Viele ältere Menschen ziehen in die Stadt zurück, weil sie dort eine gute Infrastruktur haben. An sie sollte man aber auch bei der Stadtplanung denken. Vor allem wenn es um autofreie Zonen geht. Die Leute möchten dort einkaufen, wo sie wohnen.

Keiner kann und möchte schwere Einkaufstaschen längere Strecken durch die Gegend tragen. In der Nähe von Haltestellen von Bus und Tram sollte deshalb an die Ansiedlung von Geschäften der Grundversorgung, wie Bäcker, Metzger und Gemüsehändler, gedacht werden.