»In Augsburg steckt viel Potential. Eine unterbewertete Aktie. Die Luft nach oben ist noch gigantisch!«

(Interview Monika Harrer-Jalsovec) Sebastian B. Priller, Biersommelier, führt mit seinem Vater Dr. Sebastian Priller das Brauhaus Riegele in Augsburg. Der Biersommelier mag an Augsburg besonders, dass die Stadt groß genug ist alles zu bieten, was eine Stadt zu bieten hat, aber klein genug ist, um bei einem Bier zufällig auf bekannte Gesichter zu treffen.

»Es wird Zukunft.« Finden Sie, dass das auf Augsburg zutrifft, Herr Priller?
Klar. Wer aufmerksam ist, bemerkt: In Augsburg passiert gerade etwas. In der Marktforschung sehen wir das ebenfalls: Es ändert sich etwas in der Mentalität der Leute. Es ist eine neue Generation am Zug. In der Stadt ist Dynamik, eine Aufbruchstimmung, die sich auch aus dem großen Umbau der Innenstadt nährt.

Für Sie als Unternehmer doch ein positiver Zustand.
Sicher. Man muss die Veränderungen um einen herum als Chance begreifen. Wie die Stadt, mit der wir emotional eng »verbandelt« sind, sind ja auch wir gerade im Umbruch. Wir tragen dem neuen, aufgeschlossenen Verbraucherverhalten Rechnung und bauen unser traditionelles Brauhaus seit sechs Jahren zu einer BrauWelt mit persönlichem Blick in den Sudkessel um.

Was sind Ihre Erfahrungen aus der Umbruchssituation?
Wer etwas Neues anpacken will, muss zunächst einmal zerstören. Eine Stressphase, nicht nur für unsere Familie, sondern auch für die Mitarbeiter. Alle müssen lernen umzudenken, neue Wege zu gehen. Jeden Einzelnen durch diesen Wandel hindurch mitzunehmen ist wichtig. Und jeden kleinen Erfolg zu feiern auch. Damit es am Schluss heißt: Wir haben gemeinsam etwas Neues geschaffen.

Wie sieht für Sie diese »gemeinsame Zukunft« in Augsburg aus?
Für mich ist die Stadt der Zukunft eine Stadt mit unterschiedlichen Zonen. Da wird es eine lebendige Partyzone ebenso geben müssen, wie Ruhezonen in den Stadtteilen. Oder auch rein kulturelle Zonen. Augsburg hat eine große Vergangenheit, klar. Auf keinen Fall aber darf Augsburg zu einem Museum werden. Bestimmte Aspekte des Lebens auszuklammern, ist für die Entwicklung nicht förderlich. Wir brauchen in Augsburg urbanes Leben – in allen Konsequenzen. Ich bin der Ansicht, dass in Augsburg noch viel an Potential steckt. Eine unterbewertete Aktie. Die Luft nach oben ist noch gigantisch!

Was schätzen Sie an Augsburg?
Das Angenehme an Augsburg ist seine ausgesprochene Balance. Es gibt eine gesellschaftliche und soziale Sicherheit in der Stadt. Wir haben ein urbanes Angebot, etwa kulturell: Trotzdem ist man schnell in der Natur. Man kann sich hier einfach verwurzelt fühlen. Ist man in der City unterwegs ist, trifft man immer einen Bekannten und die Bäckerin kennt einen beim Namen. Ich habe in New York und Berlin gelebt. Auch schön. Aber hier finde ich persönliche Wertschätzung und ein gewisses Heimatgefühl. Schönes Leben hier – das ist ja auch unsere Philosophie.